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Interview mit Andreas Huneke zum Rückblick auf seine Amtszeit als Vorsitzender im EBW

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Von 2010 bis 2017 war Andreas Huneke Vorsitzender des Evangelischen Erwachsenenbildungswerkes Westfalen und Lippe e. V. (EBW) – am 7. Dezember 2017 wählte die Mitgliederversammlung Frank Schneider, Superintendent des Kirchenkreises Gütersloh, zum neuen Vorsitzenden. In einem Interview blickt Andreas Huneke auf seine Zeit im EBW zurück.

Herr Huneke, was waren besondere Themenschwerpunkte in Ihrer Amtszeit?
AH: Da gibt es eine Menge Dinge, an die ich denke. Zum Beispiel, dass wir erfolgreich versucht haben, die evangelische Erwachsenenbildung wieder in der Fläche der westfälischen und lippischen Landeskirche zu installieren. Einige Kirchenkreise waren ja in der Finanzkrise Mitte 2000 ausgestiegen. Wir haben auf eine stärkere Vernetzung mit anderen Arbeitsfeldern wie Kulturarbeit und Familienbildung gesetzt und zudem ein flächendeckendes Qualitätsmanagement implementiert und einen eigenen Vergütungsgruppenplan eingeführt. Eine engere Zusammenarbeit mit unserem Schwesterwerk EB Nordrhein ist auf einem guten Weg. Außerdem haben wir das Arbeitsfeld Evangelische Erwachsenenbildung und Migration entwickelt und uns interkulturell und konfessionell geöffnet.


Was sind besondere Ereignisse, die ihnen in Erinnerung geblieben sind?
AH: Da ist natürlich die Vorbereitung und Durchführung des Geschäftsführungswechsels mit der Verabschiedung von Günter Boden im Jahr 2014. 2015 haben wir das 40-jährige Bestehen des EBW gefeiert und auch in der Reformationsdekade haben wir kräftig mitgemischt – die Projektstellestelle Reformationsdekade war im EBW gesiedelt.


Sie haben sich als Leitungsperson in dieser Kirche für die Bildungsarbeit mit Erwachsenen stark gemacht. Warum? Weshalb braucht die Evangelische Kirche auch weiterhin öffentlich geförderte Bildungsarbeit mit Erwachsenen ...?
AH: Besonders seit der Reformationszeit ist Bildung eine wesentliche Aufgabe der Kirche. Luther, Melanchton und die anderen Reformatoren wollten mündige Christenmenschen, die in der Bibel lesen können, sich selbst ein begründetes Urteil bilden können und so den religiösen und gesellschaftlichen Diskurs mitgestalten.


Damals war die Elementarbildung für die ganze Bevölkerung besonders im Blick. Die geschieht bei uns heute selbstverständlich an den Schulen. Alle weitere Bildung ist ein lebenslanger Prozess, der aber nicht von selbst geschieht, sondern immer wieder Anregung, Begleitung und Gestaltung braucht. Für uns als evangelische Kirche gehört Bildung zu den Grundaufgaben, wie Verkündigung, Seelsorge und Diakonie.


Deshalb war es für mich eine Freude und eine Ehre im EBW an prominenter Stelle mitwirken zu können. Ich bin sehr dankbar für die hohe Professionalität aller Mitarbeitenden des Werkes und ihr engagiertes Eintreten für das, was im Leitbild des EBW genannt wird: Entfaltung der Persönlichkeit, Klärung von Existenz- und Glaubensfragen, die Befähigung zu einem sozialen und verantwortungsbewussten Zusammenleben in der Gesellschaft und mit der Natur sowie die Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten für Alltag und Beruf. Das bleiben auch in der Zukunft wesentliche Aufgaben kirchlicher Erwachsenenbildungsarbeit.


Angesichts der sich wandelnden Herausforderungen unserer Gesellschaft ergeben sich auch immer neue Akzente, wie beispielsweise durch die Migrationswelle der letzten Jahre. Es wurde uns besonders bewusst, wie wichtig das Erlernen fremder Sprachen ist, aber auch die Fähigkeit, in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten die angemessenen Sprachformen zu beherrschen.  Ferner geht es heute auch darum, dass wir uns andere, uns zunächst fremde Zusammenhänge erschließen. Es geht um den Erwerb interkulturellen Wissens für das eigene Selbstverständnis,  pointiert: um Kulturkompetenz.

Ich danke insbesondere den Geschäftsführenden, dem Vorstand und dem pädagogischen Beirat unseres Werkes, sich solchen Herausforderungen immer kompetent und entschlossen gestellt zu haben.


Was wünschen Sie dem Werk für die kommenden fünf Jahre? Wohin möge die Reise gehen?

AH: Dem EBW wünsche ich für die Zukunft in dem eben beschriebenen Bemühen nicht nachzulassen. Die Herausforderungen werden eher wachsen in einer sich immer schneller säkularisierenden Gesellschaft. Der Spagat zwischen der sachgerechten Bedienung von „religiös Sozialisierten und Engagierten“ und „religiös Distanzierten und gänzlich Uninformierten“ wird immer breiter werden. Spagate verlangen geistliche und geistige, methodische und finanzielle Dehnübungen, die recht schmerzhaft sein können.  Aber es war wohl noch nie einfach und schmerzfrei sich in einem Arbeitsfeld dem Grundauftrag der Kirche zu stellen: „Kommunikation des Evangeliums“.


Ich wünsche meinem Nachfolger und allen für das EBW und in ihm Tätigen, auch in der Zukunft eine sehr gute Zusammenarbeit mit den staatlichen Stellen, den Bildungspartnern in den anderen Kirchen und innerhalb unserer Kirche mit den Kirchenkreisen und anderen Bildungsträgern. Setzt euch auch weiterhin ein, für eine Bildung, die die Menschen stärkt und Gerechtigkeit fördert und dass aus Wissen Weisheit wird. So möge Gottes Segen in der Evangelischen Erwachsenenbildung weiterwirken.

Gesine Lübbers
18.12.2017

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