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Multireligiöse Gedenkstättenfahrt: Viele intensive Eindrücke aus Polen mitgebracht

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„Wir stammen aus mindestens fünf Nationen und nun, am Ende dieser Fahrt, sind wir eins geworden“. Miriam bringt das Ergebnis dieser ausordentlichen Studienreise auf den Punkt: 27 Männer und Frauen im Alter von 23 bis 76 Jahren – Christen, Juden, Eziden, Aleviten und Muslime – haben sich in Lublin und Warschau auf Spurensuche begeben. Spurensuche in der deutschen Geschichte, der europäischen und der individuellen. Am Ende wissen sie viel über ihre Unterschiede und noch mehr über ihre Gemeinsamkeiten.

Veranstalter der Gedenkstättenfahrt, die bewusst in der Nähe des 80. Jahrestages der Novemberpogrome lag,  waren das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe e. V. zusammen mit dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund im Rahmen des Projektes open4. Die Teilnehmenden kamen aus den Kirchenkreisen Dortmund, Siegen und Minden-Lübbecke. Die Studienfahrt führte die multikulturelle und -religiöse Gruppe zur KZ-Gedenkstätte Majdanek und zur islamischen Allianz in Lublin und zu Orten des polnischen Judentums in Lubin und Warschau. Die Teilnehmenden diskutierten mit der polnischen Demokratie-Gruppe „Homo Faber“  über die Zukunft Europas und erzählten von Verbrechen und Völkermord in der Geschichte ihrer eigenen Herkunftsländer. Eine persönliche und bewegende Studienfahrt.

Neben Fröhlichkeit, Neugierde auf den Anderen und kulturellem Interesse gab es auch Bedrückendes auf der Reise. Rund 80.000 Lagerinsassen wurden im Konzentrationslager Majdanek durch Gas und die Folgen von Hunger und Arbeitsdienst ermordet. „Ich habe beim acht Kilometer langen Rundgang durchs Lager die ganze Zeit das Gefühl gehabt, die ermordeten Kinder und Frauen unter meinen Füßen zu haben. Sie gucken mich an und schreien um Hilfe“, sagte Antonia beim Besuch in Majdanek bewegt. „Ich frage mich, ist Majdanek nur Geschichte? Kann das heute wieder passieren und was können wir daraus lernen“,  formulierte es Cengiz. Und Bartholomäus war schockiert: „Ich wüsste nicht auf welcher Seite des Stacheldrahtes ich gestanden hätte.“ Dieser Besuch ging an niemanden spurlos vorbei. Eine Teilnehmerin wurde durch die Dreierstockbetten in den Baracken von ihren eigenen Erinnerungen an Krieg und Gefangenenlager im Nahen Osten überwältigt. Es gab viele bewegende Eindrücke.

Doch diese Fahrt gestattete nicht nur einen intensiven Blick in die Vergangenheit und die deutsche Geschichte, sondern beschäftigte sich auch mit Gegenwart und Zukunft: Im „Theater N. N." erfuhr die Gruppe, dass dort seit den 1990er Jahren mit Unterstützung der Stadt, dem ausgelöschten Jüdischen Leben wieder eine Geschichte und ein Gesicht zu geben ­– zu jedem der ehemals 41.000 Juden und Jüdinnen in Lublin soll eine Personenakte mit Fotos und Daten angelegt werden.

Beeindruckend war auch der Besuch beim freien und unabhängigen Verein „Homo Faber“. Lublin hat eine multikulturelle Vergangenheit, die natürlich auch ihre Konflikte und Schwierigkeiten hatte. Doch nach Einschätzung des Vereins gibt es heute in Polen kaum eine Idee, wie mit Vielfalt und Diversität umzugehen sei. Dabei sei auch Lublin mit seinen fünf international anerkannten Universitäten auf Menschen aus anderen Ländern angewiesen. Aber es gibt keine offiziellen Angebote zu Integration von Menschen aus anderen Ländern. Der Verein hat deswegen eine kleine zentrale Informationsstelle für Migranten und Migrantinnen sowie Geflüchtete eingerichtet und ist Mitorganisator  eines jährlichen Filmfestivals zu Krieg und Frieden.

Auch ein Besuch im Zentrum für Islam gehörte zu der Reise, das sich u. a. für den interreligiösen Austausch stark macht. Die Gruppe aus NRW war die erste Delegation, die sich für das muslimische Leben in Polen interessierte. Zum Abschluss der Reise nahm die Gruppe noch an einer kritischen Stadtführung durch Warschau teil. Fazit der Reise von Marissa. „Diese Reisegruppe ist ein Mut machendes Beispiel. Vielfalt ist nicht bedrohlich, Vielfalt kann man aushalten, aber Vielfalt muss man auch gestalten, nur dann wird es gut.“

Fotos: Jörg Neuhaus


 

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Jörg Neuhaus
stellv. Geschäftsführer
Schwerpunkte: Finanz- und Qualitätsmanagement, Projektmanagement, Ev. Stiftung, Integrationskurse

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Marissa Balkiz Turaç
Studienleiterin
Schwerpunkte: Interkulturelle Kompetenz, Erwachsenenbildung und Migration

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