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Auch Frauen kamen als „Gastarbeiterinnen“ nach Deutschland

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Wenn Menschen an die „Gastarbeitermigration“ der 1950er bis frühen 1970er Jahre denken, assoziieren die meisten wohl die männlichen Gastarbeiter, die nach Deutschland kamen. Dabei bildete die Rekrutierung von Arbeitsmigrantinnen einen zentralen Bestandteil der deutschen Anwerbepolitik.

Während des sogenannten „Wirtschaftswunders“ schloss die Bundesrepublik wie andere westeuropäische Staaten bilaterale Abkommen zur Anwerbung von Arbeitskräften mit Ländern im Mittelmeerraum. Dass ein zunehmender Teil dieser Arbeitskräfte Frauen waren, blieb in der öffentlichen Wahrnehmung wie auch in der Migrationsforschung lange unbeachtet. Zwischen 1960 und 1973 versechzehnfachte sich die Zahl der ausländischen Arbeitnehmerinnen in der Bundesrepublik von rund 43.000 auf über 706.000. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der ausländischen Arbeitnehmer verdoppelte sich in diesem Zeitraum von 15 auf über 30 Prozent.

Für „Gastarbeiterinnen“ war nur bestimmte und meist unattraktive Arbeitsplätze wie un- und angelernten Tätigkeiten in Industrie und Dienstleistung vorgesehen. Es handelte sich um Aufgaben, für die es nicht mehr ausreichend deutsche Frauen gab.

Von staatlichen Stellen der deutschen Arbeits- und Innenverwaltung wurde bereits früh registriert, dass Arbeitsmigration häufig mit Familienmigration verbunden war. Diese wurde als ein nicht intendierter Effekt der Anwerbung von „Gastarbeiter*innen“ aber in Kauf genommen. Darüber hinaus trug die staatliche Anwerbepolitik zu einer engen Verknüpfung von Arbeits- und Familienmigration bei, indem sie Mütter und gezielt Ehepaare anwarb.

Das EBW kümmert sich schon seit vielen Jahren um ein gleichberechtigtes Miteinander der Kulturen und Religionen. Ein Arbeitsschwerpunkt ist mit Migration und Integration und natürlich auch die Geschlechtergerechtigkeit. Insofern ist es wichtig, dass die Migrationsforschung nun auch die „Gastarbeiterinnen“ auf dem Schirm hat. Dem Thema „Gastarbeiterinnen“ widmet sich ein Beitrag in dem Kurz-Dossier „Frauen in der Migration“ der Bundeszentrale für politische Bildung.

Foto: Gastarbeiterinnen kochen in ihrer Unterkunft in Hagen, Dezember 1972. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Bundesarchiv, B 145 Bild-F038498-0027 / Wienke, Ulrich)