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„Punktum. Die Würde des Menschen ist unantastbar!“

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70 Jahre Grundgesetz. Unter dem Motto „Punktum. Die Würde des Menschen ist unantastbar!“ trafen sich rund 200 Frauen zum Frühjahrstreffen der Evangelischen Frauen in Lippe (EFiL) im Kirchlichen Zentrum Eben-Ezer Lemgo.

Tenor der Veranstaltung: In Zeiten rechtspopulistischer Tendenzen werde es immer wichtiger, an grundlegende Artikel der Verfassung zu erinnern, zu denen Menschenwürde, Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und freie Religionsausübung gehören. Neben 61 Männern des Parlamentarischen Rates haben auch vier Frauen das Grundgesetz verfasst, die Erika Lange, Anette Stadermann, Susanne Koch und Annegret Fritzemeier in einem Anspiel porträtierten: „Mütter des Grundgesetzes“ waren Helene Weber (1881-1962), Elisabeth Selbert (1896- 1986), die Herforderin Frieda Nadig (1897-1970) und Helene Wessel (1898- 1969). Sie engagierten sich für die Gleichstellung der Frau.

Juristin Dr. Anne-Ruth Wellert (Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck) referierte zum Thema „70 Jahre Grundgesetz – nichts  ist dauerhafter als ein Provisorium“: Drei Jahre nach Kriegsende wurde das Grundgesetz (GG) als Provisorium erstellt. Das deutsche Volk sollte wieder politische Verantwortung übernehmen. In nur 14 Tagen im August 1948 entstand beim Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee der Entwurf des Grundgesetzes, das am 23. Mai 1949 verkündet wurde. Zum „Hüter des Grundgesetzes“ wird das Bundesverfassungsgericht und die freiheitlich-demokratische Grundordnung erhält „Ewigkeitsgarantie“. Das dauerhafte Provisorium sei in 70 Jahren zu einer sich ständig wandelnden „Verfassung“ für ein wiedervereintes Deutschland geworden, die sich den neuen Herausforderungen auf europäischer Ebene stellen könne, so Anne-Ruth Wellert.

Annette Wolf, die die Tagung musikalisch am Klavier begleitete, versetzte mit Schlagermusik von 1949 in die Entstehungszeit des Grundgesetzes und beleuchtete die Zeitgeschichte. Über persönliche Erfahrungen zur Menschenwürde befragte Bildungsreferentin Monika Korbach drei Gesprächsgäste. Sawsan Alshamo veranschaulichte, wie Migrantinnen in Deutschland leben und ihre Zukunft planen. Sie kam erst vor zwei Monaten aus dem Irak und hat einen Studienplatz in Paderborn. Später möchte sie im deutschen Gesundheitswesen arbeiten. Das ungewisse Bleiberecht bedeute ein Leben in permanenter Unsicherheit. Paul Hartjes von der Initiative „Wir Irrlichter e. V.“ stellte das inklusive Fotoprojekt der VHS-Detmold vor, das Menschen mit Handicaps porträtiert. Unter der Überschrift „würde würde würde werden“ stellen die Bilder den Mut zum Anderssein heraus und fragen, inwiefern wir würdevoll mit Behinderten umgehen. Dr. Annette Müller, Pfarrerin der Kirchengemeinde Heiden, verdeutlichte die Probleme von Frauen, Karriere und Familienleben zu vereinen. Während Doktoranden im akademischen Bereich volle Stellen erhielten, würden Doktorandinnen mit einer halben Stelle abgespeist. Frauen seien oft nicht gewerkschaftlich organisiert und erhielten selten Führungspositionen.

In der Andacht erinnerte Pfarrerin Brigitte Fenner an die Zehn Gebote, die dem Menschen eine unveräußerliche Menschenwürde zusprächen. „Unsere Menschenrechte haben in den zehn Geboten ihren Geburtsort.“ Die Bibel erzähle von der Befreiung aus der Sklaverei, den Exodus und die Wüstenwanderung. Die zehn Gebote seien in schweren Zeiten in der Wüste geschenkt worden. Sie sorgten für größtmögliche individuelle Entfaltung aber auch für eine funktionierende Gemeinschaft, die das „Ich“ mit dem „Wir“ in Beziehung setze.  Brigitte Fenner: „Es gibt ein Leben im guten Wechsel von Festtag und Arbeit, ein Leben, das andere achtet und ihnen etwas gönnt, ohne selbst zu kurz zu kommen. Wir können uns jeden Tag entscheiden, nach dieser Würde zu leben. Punktum. Amen.“