Deutschlands größtes evangelisches Erwachsenenbildungswerk mit zahlreichen Angeboten heißt Sie herzlich Willkommen!

Ausverkaufter Poetry-Slam: "Un-glaubliches" in St. Reinoldi

Bild zur News "Ausverkaufter Poetry-Slam: "Un-glaubliches" in St. Reinoldi"

„Un-glaublich“, so lautete der Titel des Poetry Slam Spezial in der Dortmunder Stadtkirche St. Reinoldi. Und unglaublich sei es auch, so Felix Eichhorn vom Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe e.V., dass die Reinoldikirche an diesem Abend restlos ausverkauft sei. Seit sechs Jahren veranstalten die Stadtkirche, das Erwachsenenbildungswerk und WortLautRuhr gemeinsam Poetry Slams in der besonderen Atmosphäre der Reinoldikirche.

Das Wort „unglaublich“ habe viele Bedeutungen, so Stadtkirchenpfarrerin Susanne Karmeier in ihrer Begrüßung. Von „zu gut, um nicht wahr zu sein“ bis „hochnotpeinlich“ – wie die Unfähigkeit des sogenannten christlichen Abendlandes, in Seenot geratenen Flüchtlingen Türen zu öffnen – sei das Wort zu vielen Anlässen passend. Sie übergab das Mikrofon an Sebastian 23, dem die Bühne der Reinoldikirche schon von vorherigen Slams gut bekannt ist. Locker und schlagfertig führte er durch den Abend und trug nach der Pause auch selbst einen Text mit dem Titel „Zeit für Lyrik“ und Zeilen wie „Bäume sind Büsche auf Balken“ vor.

Die Themen an diesem Abend waren breit gefächert und nahmen das Motto „un-glaublich“ in unterschiedlicher Weise auf. Der Text „Klarinette spielen“ von Victoria Helene Bergemann drehte sich um die Bedeutung von Schönheit – oder wie sie formulierte: „Da geht’s um Hässliche“. Philipp Scharrenbergs „Ballade von der Made“ (eine Fortsetzung des berühmten Gedichts von Heinz Erhardt) erzählte die Geschichte der Made weiter, die Mann und Kind verloren hat, und begleitete sie auf einer Reise nach Shanghai, in der sie hinter die Kulissen der Modeindustrie blickt.

Menschen standen im Mittelpunkt der Beiträge von Ella Anschein und Bleu Broode. Anschein erzählte von einer Begegnung mit zwei Obdachlosen vor einer Bahnhofshalle während der Wartezeit auf einen Anschlusszug. Unter dem Titel „Was ich dir mitgebe“ zählte Broode (mit echtem Namen Nils Straatmann) Dinge auf, die er seinem kleinen Sohn mit auf den Weg geben möchte – von Schuhen über Kondome bis zu Hoffnung („für schwere Zeiten“) und Erinnerung („im Zweifel bin ich da“). Aylin Celik beendete den Slam-Reigen mit einem Versuch, „zwischen den Zeilen“ zu lesen.

Über den Einzug ins Finale entscheidet beim Poetry Slam das Publikum. Victoria Helene Bergemann, Philipp Scharrenberg und Aylin Celik durften die Bühne ein zweites Mal betreten und um die Gunst der Zuschauer kämpfen. Ausschlaggebend ist am Ende des Abends die Lautstärke des Applauses. Victoria Helene Bergmann entfachte mit ihrem Beitrag über „Haustrolle“ die größte Begeisterung beim Publikum und entschied so den Wettbewerb für sich. 


Autorin: Hannah Praetorius
Foto: Stephan Schütze